Otto
von der Bodenlauben
(um 1177 - um 1245)
Ein
Minnesänger und Kreuzritter aus der Rhön
von Stefan
Etzel ||>>>>>>>
Rhön-Blog
zum Wanderführer
Betreten
wir in dem kleinen Dorf Frauenroth am Südrand der Rhön
das unscheinbare
Kirchlein und gehen hinter den Altar, so stehen wir vor einer der
wertvollsten Skulpturen aus der Stauferzeit, dem Grabmal des Minnesängers
Otto von Bodenlauben und seiner Frau Beatrix. Man hat das Gefühl,
einem Adelspaar des Hochmittelalters persönlich zu begegnen,
so lebensecht wirken die beiden um 1270 von einem unbekannten Meister
geschaffenen Steinfiguren, deren Zeitgenosse der Bamberger Reiter
ist.
Otto
und Beatrix lebten während der Hochblüte höfischer
Kultur. Eines der Zentren dieser kurzen, aber umso glanzvolleren
Epoche war die Wartburg, zwei Tagereisen nur von Burg Bodenlauben
(über dem heutigen Bad Kissingen) entfernt, wo Otto von Henneberg,
wie sein Geburtsname lautete, um das Jahr 1177 das Licht der Welt
erblickte. Zwanzig Jahre zuvor war sein Großvater als Kreuzfahrer
im Heiligen Land gefallen, 1190 fiel dort sein Vater, 1198 landet
auch Otto in der Kreuzfahrerfeste Akko unweit des heutigen Haifa.
Zweiundzwanzig Jahre lang lebte er im "Königreich Jerusalem",
heiratete die überaus schöne Tochter des königlichen
Haushofmeisters, zeichnete sich als tapferer Ritter aus, schrieb
höfische Lieder - und segelte zwischendurch ab und zu nach
Europa, um auf seinen Gütern in der Rhön nach dem Rechten
zu sehen.
Die
erste dieser Heimreisen fiel in jenes Doppeljahr 1206/07, in welchem
alter Märe nach der "Sängerkrieg auf der Wartburg" stattfand,
die wohl bekannteste Legende aus dem mittelalterlichen Kulturleben
in Deutschland. Als "der Henneberger" wurde Otto in Liedern seiner
Kollegen verewigt, gehörte aber nicht zum Kreis der vor dem
thüringer Landgrafenpaar wetteifernden Barden.
Rund
30 Lieder Ottos sind überliefert, die meisten dürften
in Palästina entstanden sein, sein bekanntestes aber wohl auf
Burg Bodenlauben, nachdem er, knapp 45-jährig, 1220 mit Beatrix
und den Söhnen Otto und Heinrich nach Deutschland zurückgekehrt
war: