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Das
Denkmal Ludwig I. im Kurpark von Bad Brückenau stellt den Bayernkönig
als planenden Bauherrn dar. Sein Nachruhm gründet ja nicht nur
auf dem benachbarten Kursaal, sondern auch auf Bauten wie Walhalla,
Befreiungshalle, Pompejanum, mit denen er den "Geist der Antike" in
der bayerischen Landschaft aufscheinen ließ. Sein Sohn Otto war
als panhellenischer Kompromiß 1832 König des befreiten Griechenland
geworden, sein Enkel Ludwig II. baute die Märchenschlösser
am Fuße der Alpen.
Wenig bekannt ist demgegenüber Ludwig I. als Dichter, als König,
der sein Seele ziemlich unbekümmert dem Volk offen legte. Goethe schwieg,
viele klatschten.
Daß dich nicht täusche das reichliche
Lob;
so der dichtende König, der im Gespräch etwas stotterte,
denn was Du gedichtest,
Ungepriesen blieb's,
säßest Du nicht auf dem Thron.
Der freche Heine lachte über den "ungereimten königlich-bayerischen
Lapidarstil" und sang:
Herr Ludwig ist ein großer Poet,
Und singt er, so stürzt Apollo
Vor ihm auf die Knie und bittet und fleht:
"Halt ein! Ich werde sonst toll, o!"
Freche
Lieder auf den Bayernkönig machten 1847/48 in ganz Deutschland die Runde
und waren Teil der Hintergrundmusik im Aufgesang der 48er Revolution. Überall
kursierten Flugblätter, die den bayerischen Löwen völlig tollo
in den Armen einer peitschenschwingenden Senorita zeigten. Lola Montez hatte
dem allem Schönen zugetanen Wittelsbacher völlig den Kopf verdreht,
griff schließlich sogar in die Politik ein, das "Kabinett Lola Montez"
kam ans Ruder. Unsummen wurden für den Lebenswandel der Geliebten des
Königs verschleudert, während das Volk ein Hungerjahr erlebte. Als
im Februar 1848 die Münchner Volksseele mit dem Ruf "Die Hur muß
raus!" hochkocht, war dies der Funke, der, sich mit Forderungen nach einem
"einzigen freien Vaterland" verknüpfend, auf die eigentlichen politischen
Zentren übersprang. Im März ging dann das europäische Pulverfaß
hoch. Ludwig dankte auf Lolas Rat hin ab in der Hoffnung, mit ihr im "Land
wo die Zitronen blühen" ein Leben in Zweisamkeit führen zu können.
Zu spät dämmerte dem sechzigjährigen Monarchen, daß er
die ganze Zeit über zum Narren gehalten worden war. Selbst "der treue
Tann", bester Freund seit Göttinger Studententagen (s.S. #) war auf taube
Ohren gestoßen, als er Ludwig - schwerhörig von Geburt - beschworen
hatte, von diesem Irrsinn zu lassen und stirbt wenige Monate nach dessen Abdankung.
Spätestens nach dem liebestrunkenen Rhöner Sommer von 1847 war der
König Vernunftgründen nicht mehr zugänglich gewesen. Seine
Gefühle sucht er in einem lapidaren Gedicht mitzuteilen:
Süße Düfte streut die Linde
in dem schönen Brückenau.
Unter Zweigen, die sich neigen,
wallt die allerschönste Frau:
Lola Montez, die Sylphyde,
mit dem rabenschwarzen Haar,
feinen Brauen und den blauen
Augen hell und klar!
Lola Montez, der im Herzen
brennt des Südens Leidenschaft,
mit den Trieben, die im Lieben
und im Hassen gleich an Kraft.
Spätestens
bei den blauen Augen hätte Ludwig die Sache auch spanisch vorkommen können.
Maria de los Dolores Porrys y Montez entpuppte sich nämlich als die irische
Tingeltangeltänzerin Eliza Gilbert, die schon an manchem europäischen
Hof ihr Glück versucht hatte und sich nun über die Schweiz, Frankreich
und England Richtung USA absetzte - unterwegs die Ehe mit einem Lord einging
- und dabei vielbesuchte Vorstellungen über ihre herrliche Zeit am Hofe
des Bayernkönigs zum Besten gab. Nächst Queen Victoria war sie die
bekannteste Frau ihrer Zeit geworden.
Der treuherzige König hatte es ernst gemeint und war fassungslos. Seinen
Schmerz teilte er lapidar und anrührend mit. Diese Offenheit im Persönlichen
qua seiner Dichtung zeichnete Ludwig I. vor allen anderen Königen aus:
Hätt'ich doch nie und nimmer dich gesehen!
Für die gegeben ich mein letztes Blut.
Durchdrangest mich mit namenlosen Wehen,
Du meines Lebens glühendste Liebesglut!
Mit Untreu hast Du meine Treu vergolten,
Du wollt'st mein Geld, du wolltest meine Macht,
Die Du bewirket, daß mir alle grollten,
Verwandeltest das Dasein mir in Nacht. ...
Der Jahre langer Traum ist nun verschwunden,
In einer Öde bin ich jetzt erwacht,
Vorüber ist, was ich gefühlt, empfunden,
Doch um die Krone bleibe ich gebracht.
Augenstern des alten Ex-Königs war sein Enkel Ludwig II., der spätere
"Märchenkönig", der bei der Abdankung des Großvaters drei
Jahre alt war. Seine Reife als Autor erlangte Ludwig I. wohl in den Briefen
an diesen Enkel, die von einem weiten Herzen und liebevoller, weiser Menschenführung
zeugen, die dem anderen die freie Entscheidung läßt.

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