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    Balthasar Neumann  (1687 - 1753)

    von Stefan Etzel (aus: Maintal-Radweg)
     
     
    Keines anderen Baumeisters Werke begegnen uns so häufig am Main wie diejenigen Balthasar Neumanns, des großen Vollenders des Barock, der von Würzburg aus seine Glanzlichter in die fränkischen Lande setzte. Gleich ein gutes Dutzend seiner Schlösser und Kirchen säumt unsere Route, die so einen schönen Überblick über das Schaffen des genialen Böhmen bietet.

    Nun ist der Radler ja von Natur aus eher auf die flüchtige Aneignung von Natur und Kultur im Vorüberfahren eingestellt. Ein tieferer Einblick scheint gerade bei den oft hochkomplizierten Barockbauten ein Ding der Unmöglichkeit - bei Neumann freilich könnte man eine Ausnahme wagen, da er gern stets wiederkehrende Grundmotive variierte. Beschränken wir uns daher bei unserem aufs Wesentliche zielenden Einblick in die rühmlich "kurvierten" Räume des Meisters auf dessen Kirchenbauten und hierbei wiederum auf die "Vier-Arkaden-Rotunde mit Säulenpaaren", ein Leitmotiv, das sich in verblüffendem Gestaltwandel von Anfang bis Ende durch das Schaffen Neumanns zieht, der als Architekt übrigens mehr oder weniger Selfmademan war!
     
    Der 1687 im böhmischen Eger als Sohn eines Tuchmachers geborene Neumann kam 1711 als gelernter "Büchsenmeister der Ernst- und Lustfeuerwerkerey" nach Würzburg, wo er zunächst als Kanonengießer arbeitet und sich gleichzeitig zum Fortifikationsingenieur weiterbildet. Mit welchem Ernst er nebenher aber auch schon das Studium der Zivilarchitektur betreibt, zeigt das "Instrumentum Architecturae", das er 1713 entwickelt, einen Proportionalzirkel, mit dem er die Maßverhältnisse der verschiedenen Säulenarten für den Praktiker bequem ablesbar macht. Er ist auf unserem 50-Mark-Schein links neben Neummanns Porträt abgebildet.


    Das in dem Ingenieurhauptmann Neumann schlummernde Talent wäre wohl nie zur Entfaltung gekommen, hätte er nicht das Glück gehabt, im Dienste der bauwütigsten und kunstsinnigsten deutschen Potentaten seiner Zeit zu stehen, der Fürstbischöfe und Kurfürsten aus dem Hause Schönborn, die neben Würzburg noch in so wichtigen Machtzentren wie Bamberg, Mainz, Trier und Wien residierten.

    Dem vom "Bauwurmb" infizierten Familienclan war mit sicherem Blick die Begabung des böhmischen Ingenieurs aufgefallen, wie der Briefwechsel des Fürstbischofs mit seiner Verwandtschaft zeigt. Die glänzende Karriere Neumanns wurde daraufhin zum Musterbeispiel absolutistischen Mäzenatentums in dem Sinne, daß gezielt in einen Star investiert wurde, der ein solcher nur erst zu werden versprach.

    Neumann rechtfertigte das Vertrauen von Anfang bis Ende. Der Fürstbischof hatte ihn 1719/20 nicht nur mit dem Bau seiner Grablege betraut (Schönbornkapelle), sondern auch seiner Residenz, in die er von der kalten Festung Marienburg hinab in die blühende Stadt zu ziehen gedachte. Altgediente Baumeister wurden dabei übergangen zugunsten eines Newcomers, der keinerlei künstlerische Meriten vorzuweisen hatte - wohl aber die Meinung des Schönbornclans, daß er "viel ersprießliches verspreche und die auf selbigen gehende kösten verwendung nicht übel angelegt sein dörfte". Nachdem Neumanns Pläne für Kapelle und Residenz zur Zufriedenheit seines Mäzens ausgefallen waren und die Ausführung der Projekte ins Rollen kam, schickte ihn dieser daher auf Studienreise nach Frankreich, um von den großen Baumeistern der Sonnenkönige zu lernen.

    Neumann ist das klassische Beispiel eines Frühvollendeten. Schon sein Erstlingswerk, die Schönbornkapelle, enthielt in vollendeter Manier die Leitidee seines Kirchenschaffens, den mittels Rotunde kurvierten Raum, wobei speziell die auf Säulenpaaren ruhenden "Neumann-Arkaden" seiner persönlichen Architektursprache Ausdruck gaben:

    Eine Rotunde ist in ihrer Urform quasi eine Dose: Auf einem kreisrunden oder ovalen Mauerzylinder sitzt wie ein dazu passender Deckel ein Gewölbe von gleichem Grundriß. Als Teil eines größeren Raumes sind die Wände der "Dose" natürlich überwiegend ausgespart, die Kuppel ruht auf Säulen o.ä.

    Wo eine Rotunde an einen benachbarten Raumteil grenzt, wird sie durch eine Arkade geöffnet (Bogen auf zwei Stützen). Während diese nun in rechtwinkligen Räumen geradlinig verläuft, beschreibt im kurvierten Raum der Arkadengrundriß einen Bogen und es entsteht eine sphärisch gekrümmte Bogenarkade, eben jene o.g. "Neumann-Arkade".

    Als drittes Element des Neumannschen Repertoires sind noch die Säulenpaare zu nennen, die allein schon ein Leitmotiv seiner Architektur sind. Dieses "höchste Würdemotiv der Architektur" begegnet uns nicht nur in Innenräumen, schon an der Schönbornkapelle ist auch das Portal von zwei (Halb-)Säulenpaaren flankiert, man beachte auch die Portale der Residenz.

    Aus diesen drei Elementen nun setzt sich der "Generalbaß" des neumannschen Kirchenschaffens zusammen, die Vier-Arkaden-Rotunde mit Säulenpaaren, die der Meister in der Bandbreite zwischen opulentem Barockdekor und schlichter Beschränkung auf die architektonische Form beherrschte.

    Dieses "Neumann-Motiv schlechthin" begegnet uns übrigens fast täglich, nämlich auf der Rückseite des 50-Mark-Scheins: Die Grundrißzeichnung in der rechten unteren Ecke der Rückseite stellt die Vier-Arkaden-Rotunde mit Säulenpaaren dar, wie sie in der Kitzinger Kirche ausgeführt wurde: Man erkennt gut die in die Vierung eingefügte Rotunde mit den vier Säulenpaaren, zwischen denen der runde Grundriß den gewölbten Schwung der Arkadenbögen nachzeichnet.

    Das Hauptbild der Geldscheinrückseite zeigt übrigens die jeweiligen Krönungen Neumannscher Sakral- resp. Profanbaukunst, die Abteikirche von Neresheim (Schwäbische Alb) sowie das Treppenhaus der Würzburger Residenz. Daß wir dieses bei unserem Stadtbummel im Original bewundern können, ist dem Umstand zu danken, daß der Geschützmeister und Fortifikationsingenieur Neumann die Statik so ernst nahm wie den schönen Schein, "ein Novum in der barocken Baukunst, deren Denkmäler häufiger von selber in die Knie gingen als durch Kanonenbeschuß". Bester Beweis ist eben dieses Treppenhaus mit dem größten freitragenden Deckengewölbe nördlich der Alpen, das als zentrales Bauteil den Erschütterungen des Luftangriffs vom 16.3.45 standhielt, während der Rest der Residenz mit dem Großteil der Stadt in Trümmer fiel. Zweiflern hatte Neumann zweihundert Jahre zuvor übrigens angeboten, die Festigkeit des Gewölbes mit Kanonendonner zu testen, worauf der fürstbischöfliche Bauherr aber im Vertrauen auf Gott und seinen Neumann verzichtete...
     

       
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