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    Wagner & Bayreuth
von Stefan Etzel (aus: Main-Radweg)


Wenn im August "toute le monde" zu den Festspielen pilgert, verwandelt sich die oberfränkische Bezirkshauptstadt für einige Wochen in eine "Weltstadt auf Zeit". Wie kam es zu dieser Ehre?

Alles geht letztlich auf Markgräfin Wilhelmine zurück, die theaterbegeisterte Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, die Friedrich "den Vielgeliebten" von Bayreuth geheiratet hatte. Dieser erfüllte ihr 1748 einen Herzenswunsch mit dem Markgräflichen Opernhaus, heute das schönste erhaltene Barocktheater der Welt - und bis 1871 größte Bühne Deutschlands. Dies war es, was in nämlichem Jahre der Gründung des zweiten deutschen Reiches Richard Wagner nach Bayreuth zog. Umgehend begann er mit dem Bau seines noch viel größeren Festspielhauses, das vom Ursprungsgedanken her eigens zur Aufführung des Nibelungenrings konzipiert war - einem Werk, das seine Schatten bis auf die "Götterdämmerung" des Dritten Reiches werfen sollte.

Richard WagnerSchon zwanzig Jahre lang hatte Wagner von der Aufführung seiner im Entstehen begriffenen Nibelungendramen "an einem großen Feste" geträumt. "Sie muß dann in drei aufeinanderfolgenden Tagen vor sich gehen, an deren Vorabende das einleitende Vorspiel gegeben wird." Diesem Fest eine bleibende Heimstatt zu geben, ein eigenes Haus, der Gedanke war ebenso naheliegend wie vermessen. Das änderte sich erst durch Wagners Freundschaft mit König Ludwig II., die ihn fürderhin aller Geldsorgen enthob. Er erfüllte die Traumwelten des Märchenkönigs mit überweltlichen Klängen, und dieser erfüllte die kühnsten Träume des Künstlers, dessen Wahl auf Bayreuth fiel. Im August 1876 wurde das Festspielhaus in Anwesenheit Kaiser Wilhelm I. mit der ersten Gesamtaufführung des "Rings des Nibelungen" eröffnet, der zwei Jahre zuvor nach 26jähriger Titanenarbeit vollendet worden war.

Aus der Musik allein ließe sich das "Phänomen Wagner" kaum deuten. Sein Bild als epochaler Komponist verdeckt im allgemeinen Bewußtsein seine Leistung als Schriftsteller und Dichter, der nicht nur kunsttheoretische und politische Schriften verfaßte, sondern auch die Textdichtungen seiner "Opern", die er als musikalische Dramen verstand. Der Ursprung von Wagners Wirkung liegt in diesen seine Sozialphilosophie in einen Mythos wandelnden Dichtungen, die ihre eigentliche Wirkung erst in der Musik entfalten und darin trefflich - wegbereitend dem Inhalt -  den Ton der Zeit trafen. Zur Zeit der Reichsgründung tritt im Wagnerschen "Gesamtkunstwerk" aus dem Kampf von Licht und Dunkel das sich selbst suchende Volk auf den Plan. Der Entschluß Siegfrieds, des "neuen Menschen", mit der Macht der Väter zu brechen, um sich selbst zu finden, endet im Untergang, der Götterdämmerung.

Welche Folgen sein Werk zeitigen sollte, konnte Richard Wagner nicht ahnen, der "als Musiker, als politisierender Schriftsteller sowie als Persönlichkeit schlechthin das unvergleichliche Bildungserlebnis Hitlers war. Aus der Personnage von  Heilsbringern, weißen Rittern und Erlösern, die das Werk des Komponisten bevölkern, formte Hitler sich, undeutlich zunächst, aber dann mit zunehmender Gewißheit, seine Retterrolle, dies alles vor dem Prospekt eines Weltbildes, das erfüllt war von germanischen Untergangsstimmungen und dem Rausch der Katastrophe, süchtig gleichsam nach Götterdämmerungen" (Joachim Fest).

Die Festspiele haben den Untergang des Tausendjährigen Reiches überlebt, denn "Bayreuth ist", wie der altersweise Albert Schweitzer bemerkte, "nicht Musik, sondern Erleben einer Ergriffenheit und Erhebung durch die Ideen über das Menschendasein, die in den Dramen Richard Wagners Gestalt angenommen haben."



  

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