Landschaften
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Der Main 

(aus: Maintal-Radweg von Stefan Etzel )
 

Schon sein gewundener Lauf weist den "Strom mit dem sonnigen Gemüt" als Fluß für Genußradler aus. Statt direkt zum Ziel zu führen, schlendert er in genießerischen Schwüngen durch die Mitte Deutschlands, als wolle er diesen gesegneten Landstrich so lang als möglich auskosten. Jeder Bogen eröffnet einen neues Landschaftspanorama, Wald und Weinberge wechseln sich ab, malerische Städtchen im Ring ihrer Mauern, Barockkirchen, Auenlandschaften. Auf Weinfranken folgt Bierfranken, es läßt sich gut leben im strahlenden Herz Deutschlands - das nicht nur Hochburg des Lebensgenusses, sondern auchMain bei Aschaffenburg Schönwetterregion par exzellence ist, wo wir weniger als sonstwo mit Regen rechnen müssen...

Seit mindestens dreitausend Jahren trägt der Main schon seinen Namen. Sei es Moin, Magon, Mogin bei den Kelten, Moenus bei den Römern (erste schriftliche Erwähnung bei Tacitus um 100 n. Chr.), Maa oder Mee heute je nach Gegend, der Namensklang variiert nur in mäßigem Rahmen und hat das behagliche M als Konstante, als läge schon seit grauer Vorzeit hierin ein Hinweis auf seinen Charakter. Welcher greifbare Sinn freilich dem Namen zugrunde liegt, darüber streiten bis heute die Gelehrten: Meist wird aus einem kelt. Wort für "mächtig, groß" abgeleitet, nach anderer Meinung stand kelt. "Schlange" Pate, womit der gewundene Flußlauf der Bezeichnung zugrunde läge. Da der wasserarme Main ein mächtiger Strom eigentlich nicht ist (es sei denn bei Hochwasser), halten wir uns lieber an die poetischere Deutung seines Namens, die dem Blick auf die Landkarte auch so treffend entspricht:

Herzstück dieses umschweifigen Lebenswandels sind die beiden großen geometrischen Figuren, die der Main ins Gestein seines Mittellaufes grub. Das Mainviereck begrenzt die Buntsandsteintafel des Spessarts, das - in Verlaufsrichtung unserer Tour - daran anschließende Maindreieck ist in den Muschelkalk des Würzburger Landes gegraben. Beide Gesteine prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch Wirtschaft und Kultur ihres Gebietes auf charakteristische Weise, Stichworte: Wald, Stein und Wein.

Von wenigen Weinbauenklaven abgesehen, brachte der nährstoffarme Buntsandstein am Spessartmain v.a. Wald hervor und die auf ihm basierenden Gewerbe wie Schiffbau sowie Eisen- und Glasschmelzen. Darüberhinaus wurde das Gestein selbst abgebaut als repräsentativer Baustoff, der bis nach Rußland exportiert wurde. Reich konnte diese Landschaft aber nicht genannt werden.

Das war anders am Maindreck, dessen Muschelkalk die ideale Grundlage für den Weinbau abgab, der den fast schon legendären Reichtum dieses Landstrichs begründete. Es bedurfte freilich erst der Mutter aller Dinge, des Krieges, um das Geschäft richtig in Schwung zu bringen: Als Ende des 17. Jahrhunderts durch die Raubkriege Ludwigs XIV. die "Weinkeller des Reiches", Pfalz und Elsaß verödeten, sprang der Frankenwein in die Bresche - der zudem gerade durch die Einführung der Silvanerrebe in Richtung Qualitätsbau umgestellt wurde - und erlebte eine Hochkonjunktur, die wiederum ökonomische Voraussetzung für das barocke Wirtschaftswunder in Mainfranken war, dessen erhalten gebliebene Zeugen heute Glanzlichter unserer Radtour sind.

Nicht unbedeutend für die Entwicklung der Region war auch der Umstand, daß unser Strom immer Lebensader und nicht Grenzfluß war, also nach allen Seiten hin mehr einte als trennte. Wir sprechen zwar vom "Weißwurstäquator" als heimlicher Grenze Süd- und Norddeutschlands, politische Funktion aber hatte die nie. Der Main durchfloß vielmehr mehrere aufeinander folgende Herrschaftsgebiete, die sich jeweils an beiden Ufern ausbreiteten und die er in Handel und Wandel miteinander verband. Die Fürstbistümer Bamberg, Würzburg und Mainz waren die Hauptherren am Fluß, und als in dem Jahrhundert nach dem dreißigjährigen Krieg die Grafen von Schönborn immer einen wenn nicht gar zwei der drei Fürstbischöfe stellten, wuchs Mainfranken noch mehr zusammen und erlebte zugleich seine barocke Glanzzeit.

Zwiespältig freilich ist der Ursprung des Mains, da er zwei Quellflüssen entspringt, die sich kurz hinter Kulmbach vereinen, Weißer und Roter Main. Während jener aus dem Granit des Fichtelgebirges gischtig zu Tal stürzt - daher wohl der Name - entspringt der Rotmain auf dem Fränkischen oder "Braunen" Jura und führt nach Regen oder Schneeschmelze so viele braun-rote Schwebstoffe mit sich (Magnet-, Rot-, Brauneisen), daß er sich farblich dann sichtlich von seinem Bruder abhebt. Diesem wird zwar mitunter als "eigentlichem" Quellfluß der Vorzug gegeben, radfahrerisch aber gibt das Rotmaingebiet mehr her. Nicht nur, daß die Wagnerstadt Bayreuth dann auf der Route liegt, auch die Quelle ist per Fahrrad leicht zu erreichen, die des Weißmains dagegen höchstens per Mountain Bike.  

 

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