Upton
Sinclair
(1878-1968)
US-Schriftsteller,
dessen sozialkritische Romane Problemfelder des "american way of life"
aufzeigten. Zusammen mit Jack London leitete er in den ersten Jahren des
20. Jahrhunderts die "Intercollegiate Society", die sich die Verbreitung
sozialistischen Gedankenguts an den amerikanischen Universitäten zur
Aufgabe gemacht hatte.
Kurzbiographie
Oakland
gegenüber
San Francisco am Ostufer der San Francisco Bay gelegen.
History
of Oakland
road-Name
jeder
Tramp hatte ein "monica", eine Art Spitznamen, mit dem er "on the road"
gerufen wurde.
Hobos
so
wurden diejenigen "Landstreicher" jener Tage genannt, die als blinde Passagiere
auf Güterzüge durchs Land reisten
Frühsozialisten
nicht
nur Fourier und Prudhon; in den USA bestand ja seit den Pilgervätern
eine Tradition der Suche nach utopischen Zukunftsentwürfen und ihrer
praktischen Umsetzung in Musterkolonien u.ä. Besonders London´s
Heimatstaat Kalifornien war gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Eldorado
für solche Experimente. Die Idee des "kooperativen Commonwealth" war
die spezifisch kalifornische Variante des amerikanischen Sozialismus und
London kam schon früh damit in Berührung. Er war als Jugendlicher
regelmäßiger Besucher eines Stadtladens in Oakland, wo die Produkte
einer solchen Kooperative verkauft wurden - und wo man über die neuesten
sozialen Ideen diskutieren konnte.
Zeitschriftenmarkt
durch
technischen Fortschritt waren in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts
die Preise für Druckerzeugnisse um bis zu 80% gesunken, wodurch regelmäßiges
"Lesefutter" erstmals für alle erschwinglich wurde. Die Lesekultur
verlagerte sich dadurch vom Bürgertum in die gesamte Gesellschaft,
das gedruckte Wort fand einen Massenmarkt.
Joan
London
(1901-1972);
Joan London war eine v.a. in den 30er Jahren bekannte Gewerkschafterin.
1938 veröffentlichte sie eine sehr kritische Biografie ihres Vaters,
der die Familie wegen Charmian Kittredge sitzen
gelassen hatte, als Joan 5 Jahre alt war. Tenor ihrer Biografie ist, daß
der frühe, plötzliche und überwältigende Erfolg das
überragende schriftstellerische Talent Jack London´s beschädigt
und seine Entwicklung zu einem ernsthaften Sozialisten verhindert habe.
1938,
bei der Niederschrift der Biografie ihres Vaters
der
amerikanische Traum
meist
definiert als Chance jedes einzelnen, bei entsprechendem Einsatz und Leistungswillen
zu Reichtum und Wohlstand gelangen zu können. Das war für die
Einwanderer aus den Stände- und Feudalgesellschaften Europas - wo
die Geburt für das weitere Schicksal vorherbestimmend war - die große
Verlockung, das Wagnis einer Auswanderung auf sich zu nehmen. "The pursuit
of happiness", die Jagd nach Glück - welches gewöhnlich in Dollars
definiert wird - ist der Motor der amerikanischen Gesellschaft.
das
"amerikanische Eden"
Betraf
der amerikanische Traum zunächst einmal nur das Individuum, so ergab
die Anwendung dieses Traums auf die Gesellschaft die Vision vom "amerikanischen
Eden". In Amerika´s Zukunft die Verwirklichung des Menschheitstraumes
vom Paradies zu sehen, war eine spezifisch amerikanische Variante des Sozialismus
nicht-marxistischer Prägung. Wenn Jack London später seinen autobiographischen
Roman "Martin Eden" nennt, so steckte im Namen schon das Programm: Der
hl. Martin teilt seinen Besitz (Mantel), der Garten Eden ist das, was Jack
London in Wahrheit sucht (er schrieb das Buch auf dem Weg in die - paradiesische
- Südsee). Als er später eine Musterfarm aufzubauen versucht,
hatte er die Hoffnung, nicht nur sich einen Garten Eden zu schaffen, sondern
andere durch sein Vorbild anzuspornen, es ihm gleich zu tun.
"Teddy"
Roosevelt
US-Präsident
1901-1909.
Die
Beziehung Roosevelt/London ist noch wenig beschrieben und war nicht ohne
Pikanterie. Obwohl Roosevelt der bis dato progressivste US-Präsident
war, Naturliebhaber, Jäger, hegten die beiden ein "mutual dislike"
gegeneinander, konnten sich also förmlich nicht riechen - obwohl sie
sich persönlich nie begegnet sind. Es lag wohl v.a. daran, daß
Roosevelt in Jack London nur das Großmaul sah und ihn unter die politischen
"Dreckschleudern" einreihte (muckrakers)
und London seinerseits in Roosevelt nur einen inkonsequenten Sozialromantiker.
Eine
erbitterte Auseinandersetzung gab es 1907, als Roosevelt London in einem
Zeitschriftenaufsatz einen "Naturfälscher" (nature faker) nannte,
weil er in "Wolfsblut" die Domestizierung eines Wolfs durch menschliche
Zuwendung beschrieben hatte, was sich nie und nimmer in der Realität
bewerstelligen ließe. London schrieb eine gepfefferte Antwort.
Gleichwohl
war es Roosevelt, der drei Jahre zuvor (1904) wahrscheinlich London´s
Leben gerettet hatte, als dieser sich heimlich durch Korea zur Front des
russisch-japanischen Krieges durchzuschlagen versucht hatte und vor einem
japanischen Kriegsgericht gelandet war. Der US-Präsident intervenierte
und London gelang es als einzigem westlichen Reporter, von der Front des
fernöstlichen Konflikts zu berichten (für den Hurst-Konzern).
Biographie
co-operative
Commonwealth
Weiter
oben wurde in einem Erklärungstext schon einmal davon gesprochen,
daß die Idee des "Kooperativen Commonwealth" - allgemeiner Wohlstand
durch Kooperation aller - die typisch kalifornische Variante des amerikanischen
Sozialismus war. Kalifornien war ja derjenige Bundesstaat, wo die Westwärtsbewegung
der "Frontier" (Grenze) als soziales Ventil in den letzten Jahrzehnten
des 19. Jahrhunderts zum Stillstand gekommen war (an der Pazifikküste
war Schluß mit weiteren Expansionsbemühungen). Letztlich war
Kalifornien daher auch das Auffangbecken für all die Sozialutopien,
die ein wesentlicher, wenn auch verkannter, Teil des amerikanischen Traums
sind. Jack London steht so gesehen ganz in der Tradition seiner Heimat,
und seine späteren Versuche, seine Farm zu einer Mustersiedlung auszubauen
war nur der Versuch, mit dem ihm nun zur Verfügung stehenden Mitteln
- die er freilich nicht aus der Hand geben wollte, worin ein subtiler Keim
des Scheiterns steckte - die alte amerikanische Tradition der Suche nach
einer besseren Lösung als der kapitalistischen in die Tat umzusetzen.
Charmian
Kittredge
1871-1955.
Fünf Jahre älter als Jack, stach sie mit fast männlichem Draufgängertum
und stets guter Laune Ehefrau Bessie um Längen aus. Als Jack sie kennenlernte,
war sie schon Mitte dreißig und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als
Sekretärin, die ihre Freiziet vorzugsweise in der progressiven Bohème
von San Francisco verbrachte. Es gibt kaum ein Foto von Charmian, auf dem man
sie nicht frohgelaunt sieht und selbst wenig wohlmeinende Zeitgenossen beschrieben
sie als die tollkühnste Reiterin, der sie je begegnet waren.