Köpfe hinter den Ideen   

über Sprachevolution & Lautsymbolik  

Sprachursprungs-Homepage || Literatur ||

Stefan Etzel              14.10.98 
 

Frankfurt a.M. Germany  


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Kinds of Minds 

 
Terrance W. Deacon hat mit seinem 1997 erschienenen Buch "The Symbolic Species" der Sprachursprungsforschung einen starken neuen Impuls gegeben. 

Von Haus aus Hirnforscher und -chirurg, geht Deacon der Frage nach, was eigentlich so einzigartig an der menschlichen Sprache ist, daß man noch nicht einmal simpelste Übergangsformen im Tierreich findet. Sein Schluß: Es ist die Fähigkeit zur Symbolbildung. Diese muß seit dem Einsetzen der Eiszeitzyklen vor 2.5 Mio. Jahren und dem Beginn der Vervierfachung des Hominidengehirns virulent geworden sein - und muß sich in der einzigartigen Architektur des menschlichen Gehirns niedergeschlagen haben: Ähnlich wie Vogelflügel die Gesetze der Aerodynamik spiegeln, spiegelt Sprache die Gesetze des symbolischen Denkens. Der Untertitel des Buches - "The co-evolution of language and the brain" - deutet an, worauf Deacon hinaus will: Sprache und Gehirn müssen sich in gegenseitigem Wechselspiel herausgebildet haben. 

Deacon nimmt es bei seinen Thesen u.a. mit der heiligen Kuh der Linguistik der letzten 40 Jahre auf, nämlich der Ansicht, Sprache sei als angeborenes "Modul" im Gehirn des Menschen verdrahtet. Sein Hauptargument in diese Richtung basiert auf jüngsten Erkenntnissen der Gehirnforschung, wonach z.B. das Konzept "Vergangenheit" in unterschiedlichen Gehirnregionen verankert ist, je nachdem, ob die betreffende Sprache Vergangenheit durch phonetische Variation der Verben ausdrückt oder durch Wortstellung, Hilfverben usw. - je nach Sprachtypus also. 

 


  

W.H. Calvin William H. Calvin ist durch seine auch literarisch ambitionierten Bestseller ein Star unter den Evolutionsforschern. 1986 betrat er die Bühne mit "Der Strom, der bergauf fließt. Eine Reise durch die Evolution" (dt. 1994). 
Bekannt wurde Calvin durch seine Wurftheorie (daher seine nachdenkliche Betrachtung eines Baseballs): Die neuralen und motorischen Faktoren, die bei der Evolution der Fähigkeit treffsicheren Werfens ausgebildet wurden (wichtig für die Jagd z.B.) könnten auch andere feinmotorische Skills ermöglicht haben wie die präzise Artikulation von Sprachlauten z.B. 
Erstmals legte er diese Theorie 1983 in dem populär geschriebenen Essay "The Throwing Madonna" dar: 
"Begann die Rechtshändigkeit mit einer Mutter, die ihr Kind auf dem linken Arm (ans Herz) hielt und mit der rechten Hand Steine warf um Kanninchen zu erlegen?" 
Calvin bekannte zwar später, daß ihm hier die Phantasie etwas davongallopiert sei, ohne daß freilich dadurch das Kernargument tangiert wurde: Führte das Werfen von Steinen u.ä. zu größeren Gehirnen? (so der Titel eines weiteren Essays in diesem Band). 

Die jüngsten Bücher von William H. Calvin sind "The Cerebral Code" und "How Brains Think". 

Zur Zeit arbeitet er mit Derek Bickerton an einem Buch über Sprachevolution, dessen Entwurf unter dem Titel "Lingua ex Machina" im Internet zur Diskussion gestellt ist. 

Calvin´s Homepage ist im Übrigen eine Fundgrube. Hier findet man auch seine höchst nachdenklich stimmenden Thesen zum Klimawandel: Der Treibhauseffekt könnte Auslöser für eine plötzlich einsetzende neue Eiszeit sein mit verheerenden Folgen v.a. für Europa. 
 
 




 

Calvin und  Bickerton --- http://williamcalvin.com/1990s/img/VS-WHC-DB-office.jpgDerek Bickerton  
(rechts, links W.Calvin) emeritierter Linguistikprofessor der University of Hawaii in Honolulu hat Pidgin- und Kreol-Sprachen erforscht und ist dabei grundlegenden Gesetzmäßigkeiten von Proto-Sprache auf die Spur gekommen. Das ermöglichte erstmals linguistisch fundierte Spekulationen über die Evolution der Sprache. Bickerton hält die Entstehung primitiver "Ursprache" schon vor 1-2 Mio. Jahren für möglich. Dieser Prototyp von Sprache - der im Grunde leitmotivisch Homo erectus kennzeichnete - kam noch ohne die hierarchischen Strukturen moderner Syntax aus und glich eher jenem Kauderwelsch, das wir z.B. als Touristen in fremden Ländern anwenden: Hauptsächlich Ding- und Tuwörter und ein paar Eigenschaftswörter, die in relativ beliebiger Folge aneinander gereiht werden. Der oft mangelnden Eindeutigkeit der Äußerungen dürfte ausgiebiege Gestikulation gegengesteuert haben. 

Bickerton glaubt, daß der Mensch die längste Zeit seiner Geschichte mit einer solchen simplen Sprache auskam und sich moderne Sprache mit komplexer Syntax erst relativ spät - vor 40.000 Jahren vielleicht - bei Homo sapiens sapiens entwickelte. 
Einer der Anhaltpunkte hierfür ist die erstaunlich langsame Entwicklung der Steinwerkzeuge in der Homo erectus-Zeit. 

Eines der wichtigsten theoretischen Konzepte Bickertons ist die Unterscheidung zwischen "Primärem" und "Sekundärem Repräsentstions System" (PRS/SRS). Das PRS ist allen Lebewesen eigen, das SRS bedarf der menschlichen Sprache. Einzelheiten    

Zur Zeit arbeitet Bickerton mit William Calvin an einem Buch über die Sprachevolution, dessen Entwurf unter dem Titel "Lingua ex Machina" im Internet zur Diskussion gestellt ist. 
 

 



 

Steven Pinker --- http://www2.rz.hu-berlin.de/inside/linguistik/institut/syntax/picture/pinker.gifSteven Pinker hat 1994 mit seinem Buch "The Language Instinct" (dt. #) einen Beitrag der Chomsky-Schule zum Sprachursprungsproblem vorgestellt. Das Dilemma, daß noch kein Sprachorgan im Gehirn entdeckt wurde, obwohl von der Theorie her eines zu erwarten wäre, umschifft Pinker geschickt durch das Instinkt-Konzept, das die Angeborenheitsthese auch bei Spekulationen über den Sprachursprung aufrecht zu halten erlaubt. Das dünne Ergebnis an Einsichten über den Sprachursprung steht etwas im Schatten der Dicke des Buches, dessen unbestreitbares Verdienst es freilich ist, komplexe Elemente der für Laien nur schwer gustierbaren Chomsky-Theorie anschaulich und spannend darzustellen. 
Pinker wird bisweilen als "Pop-Star unter den Linguisten" gefeiert. 
 
Website über Steven Pinker - sehr viele Infos; Links zu online-Texten 
A Talk with Steven Pinker 
Evolutionary Pop Star 

 



 
Noam Chomsky  
 
 Noam Chomsky 1957 - im gleichen Jahr, als der Sputnik ein neues Zeitalter einläutete - betrat Noam Chomsky mit "Syntactic Structures" die Bühne der Sprachwissenschaft, die er bis heute beherrscht. 

Chomsky´s allgemeinverständlichstes und zugleich wichtigstes Theorem lenkte den Blick auf den kindlichen Spracherwerb
Nichts könne dessen Tempo und Perfektion erklären, außer, man nimmt eine angeborene Komponente an. 
Hier vor allem beginnen sich die Geister zu scheiden. Zum einen  konnte einfach kein Grammatik-Gen gefunden werden oder wenigstens ein Gehirnbereich, in dem sich eine Universalgrammatik ansiedeln ließe. 
Kritiker legen den Finger u.a. auf den merkwürdigen Umstand, daß die Chomsky-Schule sich so auffällig uninteressiert an der Frage des menschheitlichen Spracherwerbs gezeigt hat. 
 
Biographie 
 
 



  
Robin Allott  
 
Er scheint das verkannten Genie unter den Sprachursprungsforschern zu sein, denn bei der "Viererbande" (Bickerton; Calvin; Deacon; Pinker) taucht er noch nicht einmal im Literaturverzeichnis auf. Dabei ist Allott ein seriöser Forscher, der mit seiner "Motor Theory of Language" Anfang der 70er Jahre einer der ersten ernstzunehmenden Sprachursprungsforscher war. 

Veröffentlichungen  

 




Suitbert Ertel  

Der Göttinger Psychologieprofessor mit Schwerpunkt Statistik hat durch seine Habilitationsschrift "Psychophonetik" (1969) die Grundlage dafür gelegt, daß man heutzutage ungestraft behaupten kann, daß ein innerer Zusammenhang zwischen Wortklang und -bedeutung bestehe. Die meisten Linguisten sträuben sich freilich noch immer gegen die Anerkenntnis dieses Sachverhalts. 

Ertel konnte durch die Befragung statistisch relevanter Gruppen von Sprechern aller möglicher Sprachen nachweisen, daß ein universeller Trend für den Einsatz bestimmter Sprachlaute für bestimmte Konzepte besteht. So wird z.B. der Laut S von Sprechern der verschiedensten Sprachfamilien als der "dynamischste" Sprachlaut empfunden, M dagegen als der undynamischste. 

In der unveröffentlichten Arbeit "Sinnvolle Artikulation" (1972) hat Ertel darüber hinaus in einem genialen Ansatz die phonetische Umsetzung konkreter Konzepte in 37 Sprachen untersucht. Wird z.B. das Konzept KLOPFEN überwiegend mit plosiven (P/T/K) oder mit frikativen (F/S/CH) Konsonanten realisiert? Ertels Ergebnis: Mit plosiven - natürlich, möchte man sagen. HUSCHEN wiederum ist ein Gegenbeispiel, bei dem, über alle untersuchten Sprachen betrachtet, das frikative Element überwiegt... 

Demnächst folgt hier eine Sonderseite zur Psychophonetik.  

 


Primatenforscher  

Um 1970 Durchbruch, als es gelang, Menschenaffen den Umgang mit Sprachsymbolen beizubringen, seien dies 

  • Zeichensprach der Taubstummen oder
  • grafische Symbole für einzelne Wörter
Um 1980 Rückschlag, als ### Fortsetzung folgt 

 
Jane Goodall 


Sue Savage-Rumbaugh 

Diese hartnäckige, skeptische Wissenschaftlerin schaffte den Durchbruch in der Schimpansensprachforschung, nachdem diese nach ersten glänzenden Erfolgen in den 70er Jahren um 1980 in fatalen Mißkredit geraten war: 

Sue Savage erkannte den himmelweiten Unterschied zwischen Fordern (was bisher von den Affen verlangt wurde) und Benennen, was einen völlig neuen geistigen Schritt von den Tieren verlangte: Es gelang ihr, ihre beiden Versuchsschimpansen dahingehend zu leiten, daß diese in Kommunikation miteinander traten: Wörter wurden von Aufforderungssignalen zum Erhalt eines bestimmten Futters zu geistigen Stellvertretern für dieses, unabhängig davon, ob es physisch präsent war.  Einzelheiten

Gleichzeitig begann Ihre Arbeit mit KANZI, einem "Zwergschimpansen" (Bonobo). Diese Unterart scheint in vieler Hinsicht viel menschenähnlicher zu sein als der gewöhnliche Schimpanse.   wird fortgesetzt 
 

 
  

Frans de Waal 
 
Seine Forschungen über die Machtpolitik in Schimpansengesellschaften haben grundlegende Einsichten in die komplexe Denkweise dieser menschenähnlichsten Tiere geliefert.