Eine stattliche Anzahl von Burgen und Schlössern
ziert unsere kleine Region. Es waren eben mehrere Herren, die sich
einstmals dieses Gebiet teilten, und da galt es durchaus, auf der
Hut zu sein und sich in gut befestigten Häusern zu verschanzen.
Burg Brandenstein Holzgerätemuseum
Wenn
man die letzten Meter zur Burg hinauf geht, bietet sich ein schöner
Ausblick übers Schwarzbachtal auf den Schlüchtern
verdeckenden Herolzer Giebel. Zwischen diesem und dem Hohenzeller
Berg ist ein Durchblick nach Steinau
möglich, so daß Signalverbindung zum dortigen Schloß
der Hanauer Grafen bestand. Das war wohl einer der Gründe, die
Burg gerade hier zu bauen, die Sitz eines eigenen Amtes war.
Die Burg Brandenstein ist die einzige heute noch voll bewohnte Burg
im Bergwinkel. Der jetzige Bau stammt im wesentlichen aus dem 16./17.
Jahrhundert und war lange Sitz eines Amtmannes der Hanauer Grafen.
Das erste feste Haus war um 1250 von einem Zweig der Herren von Steckelberg
errichtet worden, die sich nach dem Brandenstein nannten, doch schon
1307 ausstarben. Fast 600 Jahre lang erlebte die Burg eine wechselvolle
Besitzgeschichte, bis sie 1895 der württembergische General von
Brandenstein nicht zuletzt ihres Namens wegen erwarb. Seine
Nachfahren bewohnen bis heute die südwestlichste Rhönburg,
die um 1520 durch die "Brandensteiner Fehde" reichsweit bekannt
wurde.
Damals saß Mangold von Eberstein auf der Burg, ein Sproß
eines des großen Rhöner Adelsgeschlechter. Er ließ
sich auf eine Fehde mit der Reichsstadt Nürnberg ein, nahm deren
Kaufleute auf der nahen Frankfurt-Leipziger Messestraße gefangen
und kerkerte sie auf dem Brandenstein ein, bis Lösegeld gezahlt
wurde. Darauf wurde die Reichsacht über ihn verhängt, der
Brandenstein 1522 erobert, Mangold floh - wie sein Neffe Ulrich
von Hutten aus anderen Gründen - zu Franz von Sickingen und
fiel wenige Monate später in dessen Fehde mit dem Trierer Erzbischof.
In der unbeugsamen und vor allem undiplomatischen Art - unkriegerische
Mittel waren noch lange nicht ausgereizt, Nürnberg erkannte später
Mangolds Forderungen sogar als teils berechtigt an - scheint ein Charakterzug
auf, der auch für Ulrich von Hutten typisch ist. Seine Mutter
war die Schwester Mangolds und hatte auf die Nachbarburg Steckelberg
geheiratet.
aus: Rhönwanderbuch
Holzgerätemuseum
Die Burg ist zum Besuch des Holzgerätemuseums zugänglich
(Anmeldung Tel. 06661/2350 od. 3888).
Die von Isa von Brandenstein (1910-1997) seit 1970 der Öffentlichkeit
zugänglich gemachte Sammlung alter bäuerlicher Haus- und
Wirtschaftsgeräte aus dem früheren Alltagswerkstoff Holz
enthält über 700 Exponate und ist das größte
Spezialmuseum dieser Art in Deutschland. Ohne den selbstlosen Einsatz
einer Einzelkämpferin wäre diese Seite einstiger Volkskultur,
die mit dem Siegeszug von Maschinen und Plastikwaren in atemberaubendem
Tempo unterging, im Überblick nur noch in Büchern zu betrachten.
Burg Steckelberg (Steckelsburg)
Wir
erreichen die seit Mitte des 17. Jahrhunderts verfallende Anlage bei
dem halbrund vorspringenden "Rondell", einem Geschützturm. Die
etwas beschädigte und verwitterte Inschrift auf der Spitzbogenfassung
des einstigen Eingangtores lautet(e): "Anno din (Abk. f. domini) 1509
Ulrich v. Hutten". Damit ist der Vater des Dichters gemeint, der den
Geschützturm anbaute, um dem Siegeszug der Feuerwaffen bei der
Verteidigung seines Sitzes Rechnung zu tragen. Der jüngere Ulrich
von Hutten, seit zehn Jahren schon von zu Hause fort, war in jenem
Jahr einundzwanzig geworden und sollte bald seine erste größere
Gedichtsammlung veröffentlichen.
Der angrenzende Mauerrest gehörte zur einstigen Frontseite der
Kemenate, des Wohnbaus. Von diesem stehen also nur noch Teile der
beiden Innenmauern, so daß wir den Burghof quasi aus dem nicht
mehr vorhandenen Geburtshaus des Dichters betreten.
Auf der Gedenktafel steht, daß Burg Steckelberg 1131 zuerst
genannt, 1276 geschleift und 1388 neu erbaut wurde. Die ersten beiden
Daten gelten allerdings für die "Altenburg" auf dem benachbarten
Bergkegel, als deren Nachfolgerin 1387/88 die hiesige Burg entstand.
Im Inneren des Geschützturms denkt man angesichts des Kamins
unwillkürlich an einen gemütlichen Rittersaal. Doch der
Kamin ist eine Zutat aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, als
der Raum für private Burgabende der nun großindustriellen
Besitzer etwas Behaglichkeit erhalten sollte. In der noch funktionierenden
Burg war dies Eingangshalle und Wachstube. Die schmalen Schießscharten
zeigen, daß sie für die Nahverteidigung mit Büchsen
angelegt waren. Im ersten Stock, dessen Stütznasen zu sehen sind,
waren die Schießscharten schon etwas breiter, die schweren Geschütze
aber standen auf der Plattform des längst verschwundenen zweiten
Stockwerks, von wo wir heute die prächtige Aussicht ins Schlüchterner
Land genießen.
Der jüngere Ulrich kam während seiner ruhelosen Wanderjahre
nur noch selten auf die väterliche Burg zurück. Einige Streitschriften
entstanden hier, die er "Blitze von der Huttensburg" nannte. Zu seinem
bissigen Dialog gegen die "Römische Dreifaltigkeit" schrieb er:
"Dies Gespräch haben mir die Ruhe hier und unsere Berge gegeben".
Freilich war das Burgleben damals alles andere als romantisch. Hutten
dürfte Burg Steckelberg vorgeschwebt haben, als er an seinen
Freund Pirckheimer 1518 schrieb:
"Die Burg ist nicht gebaut, um schön, sondern um fest zu
sein." Er schildert die drangvolle Enge, den Gestank von Schießpulver
und Kot und fährt fort: "Reiter kommen und gehen, unter ihnen
sind Räuber, Diebe und Wegelagerer, denn gewöhnlich stehen
unsere Häuser offen, und wir wissen nicht, wer ein jeder ist
oder kümmern uns nicht sehr darum. Man hört das Blöken
der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Hundegebell, das Rufen
der Arbeiter auf dem Felde, das Knarren und Rattern; ja wahrhaftig,
auch das Heulen der Wölfe wird im Haus vernehmbar, da der Wald
so nahe ist."
Geht
man wieder aus der Burg hinaus, kann man gleich unterhalb des Geschützturms
nach rechts einem etwas verwachsenen Pfad folgen, der auf dem Wall
des einstigen Burggrabens um die kleine Festung herum führt und
dann wieder auf den Zugangsweg trifft.
aus: Rhönwanderbuch
Burg Schwarzenfels
Von
der 1280 erstmals erwähnten Burg stehen noch ansehnliche Mauerreste,
der Blick vom Bergfried verdeutlicht die beherrschende Lage. Als mit
dem Aufkommen der Feuerwaffen die alten Burgen ihre Festungsfunktion
verloren, wandelte man sie vielerorts in repräsentative Wohnschlösser
um, so auch hier. Davon zeugt noch das reich geschmückte Portal
von 1621 mit davor liegendem Brunnen. Bald darauf fegte der Dreißigjährige
Krieg übers Land und hinterließ auch hier nur noch Trümmer.
Die Kernburg wurde aufgegeben, Zentrum der renovierten Anlage wurde
das große Marstallgebäude von 1557, das heute ein Jugendfreizeitlager
beherbergt.
aus: Rhönwanderbuch