Foto: Achim Engel

Der Bergwinkel

Stefan Etzel
15.7.08
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Burgen und Schlösser


Eine stattliche Anzahl von Burgen und Schlössern ziert unsere kleine Region. Es waren eben mehrere Herren, die sich einstmals dieses Gebiet teilten, und da galt es durchaus, auf der Hut zu sein und sich in gut befestigten Häusern zu verschanzen.

Burg Brandenstein    Holzgerätemuseum  

Burg Brandenstein >>> clickWenn man die letzten Meter zur Burg hinauf geht, bietet sich ein schöner Ausblick übers Schwarzbachtal auf den Schlüchtern verdeckenden Herolzer Giebel. Zwischen diesem und dem Hohenzeller Berg ist ein Durchblick nach Steinau möglich, so daß Signalverbindung zum dortigen Schloß der Hanauer Grafen bestand. Das war wohl einer der Gründe, die Burg gerade hier zu bauen, die Sitz eines eigenen Amtes war. 

Die Burg Brandenstein ist die einzige heute noch voll bewohnte Burg im Bergwinkel. Der jetzige Bau stammt im wesentlichen aus dem 16./17. Jahrhundert und war lange Sitz eines Amtmannes der Hanauer Grafen. Das erste feste Haus war um 1250 von einem Zweig der Herren von Steckelberg errichtet worden, die sich nach dem Brandenstein nannten, doch schon 1307 ausstarben. Fast 600 Jahre lang erlebte die Burg eine wechselvolle Besitzgeschichte, bis sie 1895 der württembergische General von Brandenstein nicht zuletzt ihres Namens wegen erwarb. Seine Nachfahren bewohnen bis heute die südwestlichste Rhönburg, die um 1520 durch die "Brandensteiner Fehde" reichsweit bekannt wurde. 

Damals saß Mangold von Eberstein auf der Burg, ein Sproß eines des großen Rhöner Adelsgeschlechter. Er ließ sich auf eine Fehde mit der Reichsstadt Nürnberg ein, nahm deren Kaufleute auf der nahen Frankfurt-Leipziger Messestraße gefangen und kerkerte sie auf dem Brandenstein ein, bis Lösegeld gezahlt wurde. Darauf wurde die Reichsacht über ihn verhängt, der Brandenstein 1522 erobert, Mangold floh - wie sein Neffe Ulrich von Hutten aus anderen Gründen - zu Franz von Sickingen und fiel wenige Monate später in dessen Fehde mit dem Trierer Erzbischof. 

In der unbeugsamen und vor allem undiplomatischen Art - unkriegerische Mittel waren noch lange nicht ausgereizt, Nürnberg erkannte später Mangolds Forderungen sogar als teils berechtigt an - scheint ein Charakterzug auf, der auch für Ulrich von Hutten typisch ist. Seine Mutter war die Schwester Mangolds und hatte auf die Nachbarburg Steckelberg geheiratet.

aus: Rhönwanderbuch


Holzgerätemuseum
Die Burg ist zum Besuch des Holzgerätemuseums zugänglich (Anmeldung Tel. 06661/2350 od. 3888).

Die von Isa von Brandenstein (1910-1997) seit 1970 der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Sammlung alter bäuerlicher Haus- und Wirtschaftsgeräte aus dem früheren Alltagswerkstoff Holz enthält über 700 Exponate und ist das größte Spezialmuseum dieser Art in Deutschland. Ohne den selbstlosen Einsatz einer Einzelkämpferin wäre diese Seite einstiger Volkskultur, die mit dem Siegeszug von Maschinen und Plastikwaren in atemberaubendem Tempo unterging, im Überblick nur noch in Büchern zu betrachten. 

 

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Burg Steckelberg (Steckelsburg)

Steckelsburg - GeschützturmWir erreichen die seit Mitte des 17. Jahrhunderts verfallende Anlage bei dem halbrund vorspringenden "Rondell", einem Geschützturm. Die etwas beschädigte und verwitterte Inschrift auf der Spitzbogenfassung des einstigen Eingangtores lautet(e): "Anno din (Abk. f. domini) 1509 Ulrich v. Hutten". Damit ist der Vater des Dichters gemeint, der den Geschützturm anbaute, um dem Siegeszug der Feuerwaffen bei der Verteidigung seines Sitzes Rechnung zu tragen. Der jüngere Ulrich von Hutten, seit zehn Jahren schon von zu Hause fort, war in jenem Jahr einundzwanzig geworden und sollte bald seine erste größere Gedichtsammlung veröffentlichen. 

Der angrenzende Mauerrest gehörte zur einstigen Frontseite der Kemenate, des Wohnbaus. Von diesem stehen also nur noch Teile der beiden Innenmauern, so daß wir den Burghof quasi aus dem nicht mehr vorhandenen Geburtshaus des Dichters betreten. 

Auf der Gedenktafel steht, daß Burg Steckelberg 1131 zuerst genannt, 1276 geschleift und 1388 neu erbaut wurde. Die ersten beiden Daten gelten allerdings für die "Altenburg" auf dem benachbarten Bergkegel, als deren Nachfolgerin 1387/88 die hiesige Burg entstand. 

Im Inneren des Geschützturms denkt man angesichts des Kamins unwillkürlich an einen gemütlichen Rittersaal. Doch der Kamin ist eine Zutat aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, als der Raum für private Burgabende der nun großindustriellen Besitzer etwas Behaglichkeit erhalten sollte. In der noch funktionierenden Burg war dies Eingangshalle und Wachstube. Die schmalen Schießscharten zeigen, daß sie für die Nahverteidigung mit Büchsen angelegt waren. Im ersten Stock, dessen Stütznasen zu sehen sind, waren die Schießscharten schon etwas breiter, die schweren Geschütze aber standen auf der Plattform des längst verschwundenen zweiten Stockwerks, von wo wir heute die prächtige Aussicht ins Schlüchterner Land genießen. 

Der jüngere Ulrich kam während seiner ruhelosen Wanderjahre nur noch selten auf die väterliche Burg zurück. Einige Streitschriften entstanden hier, die er "Blitze von der Huttensburg" nannte. Zu seinem bissigen Dialog gegen die "Römische Dreifaltigkeit" schrieb er: "Dies Gespräch haben mir die Ruhe hier und unsere Berge gegeben". 

Freilich war das Burgleben damals alles andere als romantisch. Hutten dürfte Burg Steckelberg vorgeschwebt haben, als er an seinen Freund Pirckheimer 1518 schrieb: 

"Die Burg ist nicht gebaut, um schön, sondern um fest zu sein." Er schildert die drangvolle Enge, den Gestank von Schießpulver und Kot und fährt fort: "Reiter kommen und gehen, unter ihnen sind Räuber, Diebe und Wegelagerer, denn gewöhnlich stehen unsere Häuser offen, und wir wissen nicht, wer ein jeder ist oder kümmern uns nicht sehr darum. Man hört das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Hundegebell, das Rufen der Arbeiter auf dem Felde, das Knarren und Rattern; ja wahrhaftig, auch das Heulen der Wölfe wird im Haus vernehmbar, da der Wald so nahe ist." 

Steckelsburg - GrundrißGeht man wieder aus der Burg hinaus, kann man gleich unterhalb des Geschützturms nach rechts einem etwas verwachsenen Pfad folgen, der auf dem Wall des einstigen Burggrabens um die kleine Festung herum führt und dann wieder auf den Zugangsweg trifft. 

aus: Rhönwanderbuch

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Burg Schwarzenfels

Burg SchwarzenfelsVon der 1280 erstmals erwähnten Burg stehen noch ansehnliche Mauerreste, der Blick vom Bergfried verdeutlicht die beherrschende Lage. Als mit dem Aufkommen der Feuerwaffen die alten Burgen ihre Festungsfunktion verloren, wandelte man sie vielerorts in repräsentative Wohnschlösser um, so auch hier. Davon zeugt noch das reich geschmückte Portal von 1621 mit davor liegendem Brunnen. Bald darauf fegte der Dreißigjährige Krieg übers Land und hinterließ auch hier nur noch Trümmer. Die Kernburg wurde aufgegeben, Zentrum der renovierten Anlage wurde das große Marstallgebäude von 1557, das heute ein Jugendfreizeitlager beherbergt. 

aus: Rhönwanderbuch

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