Bergwinkel - Persönlichkeiten
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Wie den Nazis die Enteignung der Dreiturm gelingt

KN-Serie 2002:

Retten was zu retten ist 

Schüsse in der Steinauer Bahnhofstraße 

Im Kampf mit den korrupten Bonzen 

Vergeblicher Kampf 

 


 

Der ISK und Max Wolf

von: Dr. Christine Wittrock, Frankfurter Rundschau 20.11.2001

 

Max WolfUm die soziale Einstellung des Firmenchefs Max Wolf zu verstehen, muss man wissen, dass er, wie auch sein jüngerer Bruder Arnold, in der Weimarer Republik mit sozialistischen Ideen in Berührung gekommen ist. Max und Arnold Wolf gehörten dem Internationalen Jugend-Bund an, einer Organisation, die links von der SPD im Spektrum der Arbeiterbewegung agierte. Für die Sozialdemokratische Partei waren die jungen Leute aus dem Internationalen Jugend-Bund, dem IJB, lästige Parteigenossen, von denen sie immer wieder an ihre eigenen, aber schon in Vergessenheit geratenen sozialistischen Ziele erinnert wurden. Die SPD entledigte sich schließlich 1925 ihrer linken Kritiker durch einen Unvereinbarkeitsbeschluss.

Nun gründete sich aus dem IJB heraus unter Führung des Göttinger Philosophen, Mathematikers und Politikers Professor Leonard Nelson eine neue Partei: der Internationale Sozialistische Kampf-Bund, kurz ISK genannt.

Der ISK wollte die Welt verändern. Er wollte mutige und prinzipientreue Menschen heranbilden, wollte sie zu ernsthaften Sozialisten erziehen und eine Brücke zwischen den beiden Arbeiterparteien - der SPD und der KPD - in der Weimarer Republik schlagen.

Der Internationale Sozialistische Kampf-Bund verpflichtete seine Mitglieder zu besonderer Lebensführung: Einhaltung vegetarischer Lebensweise in Achtung vor dem Lebensrecht der Tiere, Austritt aus der Kirche, da ihre Glaubenslehre die Menschen entmündige, Abstinenz von Alkohol, dessen Genuss den Vernunftgebrauch einschränke und Abgabe einer rigorosen "Parteisteuer". Der ISK legte keinen Wert auf große Mitgliederzahlen; eine straff geführte, gut geschulte sozialistische Elite war ihm wichtiger.

Nach Schätzungen soll er in Deutschland etwa 300 Mitglieder und ein Umfeld von 1000 Sympathisanten gehabt haben, gab eine eigene Zeitung heraus und war hauptsächlich in Deutschland und England vertreten.

Eines der wichtigsten Projekte, die Max Wolf im Rahmen des ISK mit großem Engagement unterstützte und förderte, war das Landeserziehungsheim Walkemühle bei Melsungen, eine linke Reformschule mit Internatscharakter. Der Dreiturmchef Max Wolf verstand sich als Sozialist. Er wollte seinen Reichtum für sinnvolle Aufgaben verwenden. Er gehörte zu den wenigen Wohlhabenden, deren vorrangiges Ziel nicht Profitmaximierung war, sondern Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse: Abschaffung des Elends, der Massenarbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Verrohung und Verdummung der Menschen. Für dieses Ziel arbeitete und kämpfte er, dafür gab er große Summen seines Geldes aus, dafür wurde er letztlich ins Gefängnis gebracht und aus Deutschland vertrieben.

In den unruhigen Jahren zwischen 1918 und 1933 wurde die Dreiturm-Seifenfabrik in Schlüchtern und später in Steinau ein Auffangbecken für Sozialisten aller Schattierungen. Arbeitslose Gewerkschafter, gefeuerte kommunistische Arbeiter, leitende ISK-Mitglieder, sozialdemokratische Familienväter - alle fanden Brot und Arbeit in dem vorbildlich geführten Werk; ein Umstand, der wenige Jahre später dazu führt, dass die örtlichen Nationalsozialisten die Dreiturm als "rote Hochburg" unerbittlich verfolgen.

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Copyright © Frankfurter Rundschau 2001
Dokument erstellt am 20.11.2001 um 00:00:32 Uhr
Erscheinungsdatum 20.11.2001

 

 

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