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Zu den Wilden Leuten
im Bernhardswalde

Ein Vierjahreszeiten-Spaziergang bei Hohenzell

aus:  Bergwinkel-Bote 1999
Autor: Stefan Etzel
Lage| Dauer | Anfahrt | Weg

Der große Bergwinkel-Heimatforscher Wilhelm Praesent (1896 - 1976) begann seine 1958 erschienen Bergwinkel-Geschichten mit der Sage von den ,,Wilden Leuten im Bernhardswalde". Wilder TischZu den damit gemeinten Feisgruppen führt diese Wanderung.

Der Bernhardswald liegt oberhalb von Hohenzell, von wo man auch den Parkplatz erreicht, an welchem unser Spaziergang beginnt. Dieser Spaziergang bietet sich zu jeder Jahreszeit an, hat man hier doch einen eindrucksvollen Wechsel der jahreszeitlichen Erlebnisse.

Diese heimatkundliche Wanderung erinnert an den im März 1997 viel zu früh verstorbenen Hermann Dänner, den ich in seinem letzten Lebensjahr noch als großen Kenner unserer Heimat kennenlernen durfte. Dänner hatte ein Bergwinkel-Wanderbuch in Planung und schlug Mitarbeit vor. Die hier vorgestellte Tour zu den Wilden Leuten im Bernhardswalde sollte dieses Büchlein eröffnen und sie sei daher hier als - inoffizieller - Hermann-Dänner-Weg vorgestellt.

Dauer: 1.15 Stunden
Länge: 4 Kilometer
Steigungen: gut 1 km Anstieg
erforderlich: gutes Schuhwerk + Traute, auch mal ein Stück abseits der gebahnten Wanderwege zu gehen.
Wanderkarte: Topographische Karte 1:50.000 L 5722 Schlüchtern
Ausgabe mit Wanderwegen.
MARKIERUNG: inzwischen ist der Weg mit einem selbstgemalten, weißen HD an Baumstämmen markiert (mit Erlaubnis der Forstverwaltung)

Anfahrt: Schlüchtern > Hohenzell; dort vor der Rechtskurve im Ortskern links > Dorfgemeinschaftshaus; an der folgenden Gabelung halbrechts, an der folgenden hinter dem Ort ebenso. Auf der Höhe dann vor der Feldscheune rechts und auf die Windräder zu den Weinberg hinauf. Oben am Waldrand dann links auf den Parkplatz ,,Bemhardswald'..


Wegbeschreibung

Hinter dem Parkplatz gehen wir gleich an der Gabelung links - Markierung ROTER VOGEL - und passieren beim Durchqueren des kleinen Gehölzes Schautafeln über einheimische Vögel und Pflanzen.

An einem jungen Ahombestand vorbei führend, knickt der Weg bald links ab, nach wenigen Metern führt ein Stichweg links zum Kalten Weiher. Der forstliche Feuerschutzteich hat sich zu einem hervorragnden Amphibienbiotop entwickelt. Ungefähr an dieser Stelle stand in alten Zeiten der ,,Kalte Hof".

Wir gehen zurück zum Hauptweg und setzen die Wanderung bergab fort. Gleich ausgangs der Kurve - das Fichtendunkel geht über in lichten Buchenhochwald - bieten sich erste Einblicke in die tiefen Erosionschluchten, die für diese Ecke des Bergwinkels typisch sind. Rechts des Weges steht hier und da Muschelkalk an, was die scharfen Einschnitte erklärt, welche die Fließgewässer in den Berg gegraben haben.

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei diesem Gestein um Kalkablagerunen, die aus gewaltigen Mengen von Muschelschalen entstanden, als unsere Heimat vor rund 200 Millionen Jahren von einem flachen Binnenmeer bedeckt war. Dieser Kalk ist ein recht weiches Gestein, das außerdem zum Teil in Wasser löslich ist, so daß auch kleine Gewässer wie die umliegenden Bäche tiefgreifende Wirkung erzielen können.  

Im Talgrund überqueren wir in der Linkskurve (nun auch "roter Balken 78") einen Bachlauf, den ersten der beiden Quellarme des Ahlerbachs, wenig später den zweiten. Das Bächlein ist zu einem kleinen Teich gestaut, eine Sitzbank lädt zum Verweilen ein.

Auf dem Hauptweg bleibend, steigen wir auf der linken Talseite wieder bergan. Wo der Ahlersbach ein weiteres mal überquert wird, sehen wir links wenige Meter oberhalb des Weges einen Grenzstein von 1730 mit hanauischem Wappen (drei Sparren; Rückseite: "fuldisches Kreuz"). Er ist die Nummer 96 einer Grenzsteinreihe, die seinerzeit hier die Südwestgrenze der fuldischen Enklave Herolz-Sannerz-Weiperz markierte. Diese war eines der katholischen Einsprengsel in das ansonsten evangelische Gebiet der Grafschaft Hanau.

Diese Grenzsteinreihe beginnt mit dem Großen Dreimärker am Neuberg gegenüber Burg Brandenstein (Hanau/Fulda/Degenfeld), führt über den Herolzer Giebel zum Ortsrand von Schlüchtern und von dort über die Höhen nördlich von Ahlersbach hier vorbei und weiter zum "Dreiländereck" im Ratzerod (Hanau/Fulda/Hessen). Von den einstmals 110 barocken Wappengrenzsteinen dieser Reihe sind noch 83 erhalten!

An der Gabelung 30 Meter weiter biegt unser Wanderweg rechts ab.
Achtung: Nach kurzem Anstieg zweigt nach der ersten Linkskurve ein grasiger resp. belaubter Weg - ein wackliges Holzgeländer sichert den ,,Abgrund" - rechts ab, der behelfsmäßig mit einem großen "HD" markiert ist.

Anmerkung: wem dieser Wanderverlauf abseits des markierten Hauptweges als zu "abenteuerlich" erscheint, folgt einfach weiter dem Hauptweg zur "Leo-Hütte", von wo ab der Weiterweg wieder identisch mit der Hauptroute ist. Die Hauptsehenswürdigkeiten der Wanderung entgehen einem dann freilich...

Der wenig begangene Weg führt zunächst leicht bergab mit eindrucksvollem Blick in den Bernhardsgraben und zieht dann die Höhe haltend an der Bergflanke entlang. An Abzweigungen bleiben wir stets auf dem oberen (linken), die Höhe in etwa haltenden ,,Weg". Wo er leicht anzusteigen beginnt, sehen wir über uns auf der Feisbastion die Leo-Hütte, späteres Ziel für die verdiente Rast nach dem Autstieg.

Die nächste Felsgruppe über uns ist die Teufelskanzel, über die der Aufstieg später führt. Am rechten Wegrand ist bald eine alte Unterbauung der Trasse zu sehen, Hinweis auf einen vergessenen Verbindungsweg zwischen Ahlersbach und Weiperz, dann taucht voraus auch schon der Wildtisch auf.

Solche Naturdenkmäler entstanden dadurch, daß die betreffenden Gesteine etwas härter als ihre Umgebung waren und so der eiszeitlichen Verwitterung stärker widerstanden als ihre Umgebung.

Der Weg steigt nun im Linksbogen unterhalb der Wilden Häuser bergan, bizarren Kalkfelsen, die ihre heutige Gestalt jahrmillionen alten Ausspülungen verdanken. Wir sehen gut, wie die Kurve durch einen stürzenden Unterbau in den Anstieg gefügt wurde: Der zwischen den Naturdenkmälern hindurchführende Weg war hier offenbar als Eselssteig ausgebaut.

Der kurze Anstieg kann im Sommer etwas verwachsen sein, doch dann ist schon die Teufeiskanzel erreicht.

Wenige Meter oberhalb treffen wir wieder auf den markierten Hauptweg, dem die Route nach rechts folgt. Zuvor lohnt sich noch der Abstecher nach links zur 100 Meter entfernten Leo-Hütte, von der sich ein schöner Blick ins "kleine Walsertal des Bergwinkels" (Dänner) bietet. Die Hütte ist benannt nach dem Forstamtmann Leo Rusetzki, der von 1947-74 in diesem Waldrevier Dienst tat.

Wir haben nun keine Steigungen mehr zu befürchten, der markierte
Wanderweg führt an verschiedenen Waldbildern und einer reichhaltigen
Botanik vorbei und erreicht schließlich einen breiten Forstfahrweg, dem
wir nach rechts zurück zum Parkplatz folgen.


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