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Knoblauch, Rose, Rebensaft

Mainz-Gustavsburg - Rheininsel "Nonnenaue" - Schwedensäule - NSG Kühkopf-Knoblochsaue - Oppenheim - Nierstein - Lörzweiler - Gau-Bischofsheim - Mainz

Diese Natur und Kultur verbindende Tour ist der perfekte Einstieg in die "Hohe Kunst" mehrtägigen Tourenradelns: Locker in der Rheinebene einradeln, das größte hessische Naturschutzgebiet besuchen, in einer alten Reichs- und Weinstadt übernachten (km 60): Das ist an sich schon eine Radreise wert. Wenn Sie am anderen Morgen dann durch die Rebhänge auf die Höhe kurbeln, das sonnengesegnete Land aus der Vogelperspektive betrachten und gemächlich gen Mainz gondeln, werden Sie sich schon auf Ihre nächste Wochenendtour freuen!

Start & Ziel: S-Bahnhof Mainz-Gustavsburg (S 14)
Streckenlänge: 83 km
Streckencharakter: Überwiegend gute Wege und ebene Strecke abseits der Straßen; 2 Aufstiege durch die Weinberge
Sehenswürdigkeiten: NSG Kühkopf-Knoblochsaue; Oppenheim
Einkehrmöglichkeiten: außerhalb der Ortschaften: Nonnenaue "Gut Langenau"; Forsthaus ,,Kühkopf";,,Zum Rheinhof" (bei Kühkopffähre)

Kurzbeschreibung

Von Mainz-Gustavsburg - nahe der Mündung des Mains in den Rhein - radeln wir an diesem entlang südwärts. ###

 

 

Schwedensäule

Der von einem Löwen mit Schwert gekrönte Obelisk wurde zur Erinnerung an Gustav Adolphs legendären Rheinübergang im Dezember 1631 durch dessen Festungsbaumeister errichtet. Der Schwedenkönig hatte im nahen Erfelden in der Gastwirtschaft des Bürgermeisters genächtigt, bevor er mit seinem 20.000-Mann-Heer den Rhein überschritt. Für das Unternehmen mußten die Bauern der Gegend ihre Scheunentore opfern, die dann - über Kähne gelegt - als Brücke dienten.

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NSG Kühkopf-Knoblochsaue

Als in den Jahren 1828/29 die Rheinschleife bei Stockstadt durch einen fast 4 km langen Durchstich begradigt wurde, entstand aus der Halbinsel Kühkopf (von ,,Künigskopf"!) eine Insel. Die stillgelegte Altrheinschlinge verlandete allmählich wegen der nur noch geringen Strömungsgeschwindigkeit, bis man dann in unserem Jahrhundert gerade noch rechtzeitig die ökologische Bedeutung der Altrheine erkannte. Durch gezieltes Ausbaggern wird heute für einen ausreichenden Wasserdurchlauf gesorgt, und Sperren verhindern ein Leerlaufen des alten Rheinbetts bei Niedrigwasser.

FOTO von Kühkopfseite >>> CLICK!1952 wurde der Kühkopf zusammen mit der nördlich gelegenen Knoblochsaue als größtes hessisches Naturschutzgebiet ausgewiesen und ist mit seinen 2.370 ha das größte Auen-Schutzgebiet Mitteleuropas! Unter Naturfreunden ist der Kühkopf nicht nur wegen der sumpfigen, urwaldartigen Dickichte und der Auwälder mit wilden Apfel- und Birnbäumen berühmt, sondern auch wegen seiner rund 50 Graureiherpaare, die hier mit Wildgänsen, Kranichen und anderen Wasservögeln heimisch sind. Wer sich etwas Zeit nehmen möchte, kann auf den markierten Wegen umherstreifen (die extra ausgewiesenen Reservate dürfen nicht betreten werden). Infotafeln geben die Lage der Tierbeobachtungsstellen an.

Weniger erfreut dürften Sie über eine andere Art Fluggetier sein, das hier in größeren Schwärmen als irgendwo sonst in Mitteleuropa auftritt: Stechmücken nämlich! Die Bekämpfung der berüchtigten "Rheinschnaken" kommt aus ökologischen Gründen heute nicht mehr in Frage, denn ihre Larven sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Fischbrut in den Altwässern des Rheins. Daher sollte der empfindliche Stadtmensch diese Gegend im Hochsommer meiden.

Wer Knoblauchduft schätzt, sollte das NSG in der Zeit von April bis Juni besuchen, wenn der Bärlauch blüht, ein Verwandter des Knoblauchs, der ja auch schließlich die Mücken vertreibt...
Ob sein reiches Vorkommen namensgebend für die Knoblochsaue war, ist ungewiß. Das Gebiet soll vor rund 500 Jahren einer Familie Knobloch gehört haben, aber auch die könnte ja nach einem Charakteristikum ihres Wohnortes benannt worden sein...

Naturschutz-Informationszentrums Kühkopf-Knoblochsaue

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Oppenheim

Die im Mittelalter bedeutende Reichsstadt am Rhein ist heute ein schmuckes, betriebsames Städtchen, dessen Hauptattraktionen der Wein und die ,,rosa mystica" sind.

Das Deutsche Weinbaumuseum ist das einzige weinbautechnische Museum in Deutschland und stellt die Entwicklung des Weinbaus nebst technischer Verfahren von den Anfängen bis zur Gegenwart vor. Wer der Theorie die Praxis folgen lassen will, vertieft das vinologische Studium generale in der ,,Weinstube der Oppenheimer Winzer und Weingüter" im historischen Rathaus am Marktplatz (Sa./So. ab 11 Uhr), um sich durch die Angebotspalette des Ortes zu seinem höchstpersönlichen Hoflieferanten durchzukosten.

FOTO von Stadtseiten >>> CLICK!Vielleicht sollten Sie aber zuvor schon mal zur Katharinenkirche hinaufgehen, eine der schönsten Kirchen am Rhein, die durch reiches Maßwerk und die Genialität der vollzogenen Stilwechsel besticht. Als Maßwerk - der Begriff kommt von Messen (mit dem Zirkel) - bezeichnet man jene aus Kreisen und Kreissegmenten gebildeten Ornamente, die typisch für die Gotik sind. Entstanden sind diese mandalaartigen Muster, als man in die Spitzbogen der gotischen Fenster kleinere runde Fenster hineinzuwirken suchte.

Die Oppenheimer Katharinenkirche präsentiert sich mit Maßwerk in so reicher Fülle und Formenpracht, weil sie eine hervorragende Schauseite hat: Während der romanische Vorgängerbau - Westtürme (ohne Hauben) - noch ganz der kosmischen Ost-West-Linie verhaftet war, wurde in der Gotik die irdische Nord-Süd-Achse hervorgekehrt: Prächtige Schauseite nach Süden (Leben), zur sonnigen Rheinebene hin, betont schlichtere Nordseite, die im Schattenreich (Tod) wurzelt. Dort befindet sich auch das Beinhaus unter der Michaelskapelle mit fein säuberlich in Kategorien sortierten Knochen von 20.000 Oppenheimern, die in den Jahren zwischen 1400 und 1750 verstorben sind.

Berühmt geworden ist die Katharinenkirche durch die "Oppenheimer Rose", die von einer ,,Lilie" ergänzt wird: Wenn Sie sich vom Rathaus her nähern, stehen im Zentrum der Schauseite zwei Spitzbogenfenster und rechts und links davon zwei "Fischblasen"-Fenster, deren Zentren jeweils aus einer Rosette bestehen - als ,,rosa mystica" Symbol Mariens. Rechts die ,,Rose", feiner durchgestaltet im Maßwerk als die ,,Lilie" links, die sich auch darin unterscheidet, daß ihr Zentrum nicht kreisrund, sondern dreifaltig ist wie ein Kleeblatt. Gerade diese Asymmetrie der beiden Fenster zueinander ist der Grund für die Aussage, hier habe die ,,Maßwerkphantasie" der hochgotischen Baukunst ,,einen ihrer berühmtesten Höhepunkte" erreicht.
Das schöpferische Licht des Vormittags bringt die Fenster innen am besten zur Geltung. Das Glas der Oppenheimer Rose stammt noch zu 90% aus dem 14. Jh. und ist in den Grundfarben der Gotik gehalten: Gold, Rot und Blau. In der Mitte das Wappen der Freien Reichsstadt Oppenheim. Viele der anderen Fenster sind neueren Datums, wobei man insbesondere dem Geschmack der Kaiser-Wilhelm-Zeit begegnet, der mit bunten historischen Szenen und reichem Wappenschmuck glänzte.

Daß auf der Orgel der Katharinenkirche Max Reger und Albert Schweitzer Konzerte gaben, sei angemerkt.
Zu Beginn des 3ojährigen Krieges war Oppenheim Wirkensstätte Matthäus Merians.
1824 wurde in der ,,Löwenapotheke" (unterhalb des Marktplatzes) die industrielle Herstellung des Chinins erfunden - die Stechmückenschwärme am Kühkopf haben Ihnen vielleicht einen Begriff davon gegeben, was hier der ,,driving factor" war: die Malariaplage.

Der kurze Weg hoch zur Ruine ,,Festung Landeskrone" sei noch empfohlen. Weit schweift der Blick über Katharinenkirche, Oppenheim und die Rheinebene hin bis zum Odenwald - im Süden ,,drohen" am Horizont die Kühltürme des AKW Biblis.


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