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Selig die Stadt am Main

Frankfurt-Sachsenhausen - Goetheturm - Heusenstamm - Jügesheim - Seligenstadt - Main-Uferweg über Steinheim - Rumpenheim - Offenbach - Frankfurt

Wenn man von Frankfurt immer südostwärts durch die Wälder des Rodgau gondelt, kommt man schließlich in einem schmucken Fachwerkstädtchen am Main raus, von wo man am "Strom mit dem sonnigen Gemüt" entlang wieder nach Hause zurückradeln kann.

Start & Ziel: Frankfurt-Sachsenhausen Südbahnhof
Streckenlänge: 62 km
Streckencharakter: Fast durchgehend gute Forst-, Wirtschafts- und Radwege, kaum Straßen, nur zu Beginn spürbare Steigung aus der Stadt hinaus
Sehenswürdigkeiten: Goetheturm; Heusenstamm; Seligenstadt; Steinheim; Rumpenheimer Schloß(park)
Einkehrmöglichkeiten: in den Ortschaften entlang der Strecke; zum Schluß Gerbermühle

Kurzbeschreibung

Ein kurzer Anstieg führt von Sachsenhausen links des Hennigerturms gleich aus der Stadt hinaus. Am Goetheturm sieht man die Metropole schon unter sich liegen und radelt nun durch wechselnde Waldbilder nach Heusenstamm.

Nach Besichtigung der Rokokokirche von Balthasar Neumann geht es weiter durch die Wälder im Südosten Frankfurts - bis auf einmal Seligenstadt mit den Bergen des Spessart im Hintergrund vor uns liegt.

Die Heimfahrt erfolgt dann am Main entlang über Steinheim, Rumpenheim, Offenbach, bis man dann in der Gerbermühle am Rande der Großstadt die Tour bei einem zünftigen Umtrunk ausklingen lassen kann.

 

Goetheturm

Deutschlands höchstes Holzbauwerk - 43 m, 196 Stufen - wurde den Bürgern Frankfurts 1931 von dem jüdischen Kaufmann Gustaf Gerst spendiert.

Mit Goethe hat der Turm nur indirekt zu tun, denn es gibt keinen Beleg dafür, daß der berühmteste Sohn der Stadt tatsächlich öfter hier oben verweilte, wie die Legende behauptet. Der Standort war schon in älteren Zeiten ein beliebter Rastplatz namens "Hexeneck". Vielleicht in Anspielung an die Walpurgisnacht im "Faust" taufte ein Heimatdichter die Stelle 1860 in "Goethes Ruhe" um, weswegen der 1877 errichtete, halb so hohe Vorgänger des heutigen Turmes ebenfalls auf den Dichterfürsten getauft wurde.

Auch das kleine Lokal am Fuß des Turmes heißt "Goetheruh" (April- September tägl., Rest Fr-So). Der Turm ist im Winterhalbjahr geschlossen

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Heusenstamm

1661 erwarben die Ritter von Schönborn das Dorf und bauten es zu einer Residenz aus. Als erstes entstand ein standesgemäßes Schloß im Renaissancestil der Zeit, ein Langbau zu 22 Achsen, der gut den ernsten und zugleich hoffnungsfrohen Charakter der Epoche nach dem 30jährigen Krieg zum Ausdruck bringt.

80 Jahre später beauftragte Gräfin Maria Theresia von Schönborn den fränkischen Baumeister Balthasar Neumann mit dem Bau einer Kirche, die heute als Hessens schönste Rokokokirche gilt. Neumann, der in Diensten des würzburger Fürstbischofs von Schönborn stand, war nicht nur Schöpfer so berühmter Wallfahrtskirchen wie Vierzehnheiligen und Neresheim, sondern auch zahlreicher Landkirchen. Einer ihrer Grundzüge begegnet uns in der Fassade der Heusenstammer Cäcilienkirche: Der halb eingestellte Frontturm nämlich - am besten zu sehen vom Triumphtor aus - als Einbeziehung des Außen- in den Innenraum.

Synthese - die Auflösung starrer Eigenformen zugunsten eines neu hervortretenden Ganzen, darin lag ein Grundzug Neumannscher Baukunst. Der Innenraum der Heusenstammer Kirche ist hierfür ein gutes Beispiel. Man ist sofort überrascht von der Weiträumigkeit, wenn man die Kirche betritt, die von außen eher unscheinbar wirkt. Erzielt wird diese Wirkung durch Betonung des Zentralraumcharakters (Verschmelzung von Schiff und Querhaus ungefähr im Goldenen Schnitt). Die in die Vierungsecken eingestellten, freistehenden Säulen, die das Vierungsgewölbe wie ein Baldachin tragen, sind ein typisches Neumann-Motiv.

Beachtenswert sind auch die Deckengemälde von Christoph Thomas Scheffler - im Mittelpunkt die Auferstehung Christi - die übrigens gegen den Willen Neumanns eingebracht wurden. Das Bild des rechten Seitenaltars zeigt Cäcilia an einer kleinen Orgel, die Schutzpatronin der Musik.

Der triumphbogenartige Torbau zur Durchgangsstraße hin übersteigt die Dimension der in dörflichem Fachwerk gehaltenen Schloßgasse. Er wurde eigens als ,,Ehrenpforte" für den alten Kaiser Franz I. von Österreich erbaut, der 1764 auf dem Weg nach Frankfurt zur Krönung seines Sohnes Joseph II. zusammen mit diesem bei den Heusenstammer Grafen einkehrte, treuen Gefolgsleuten des Hauses Habsburg.

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Seligenstadt

Von Ferne verrät das Mainstädtchen kaum etwas von seiner einstmaligen Bedeutung, die sich auf die Lage an einem wichtigen Mainübergang und Kreuzungspunkt alter Straßen gründete. Bereits die Römer hatten die Stelle mit einem Kastell gesichert. Tausend Jahre später (um 1235) errichtete Friedrich II. hier eine Kaiserpfalz, von der noch die großartige Schauseite zum Main hin erhalten ist. Viele Kaiser haben auf dem Weg zu ihrer Krönung in Frankfurt letzte Station in Seligenstadt gemacht (und gleichfalls Legionen von Kaufleuten auf dem Weg zur Frankfurter Messe).

FOTO von Internetseite der Stadt >>> CLICK!Bedeutendstes Bauwerk Seligenstadts aber ist die Einhards-Basilika, die größte aus der Karolingerzeit erhaltene Basilika nördlich der Alpen. Bauherr war Einhard, ein Berater und später Schwiegersohn Karls des Großen. 815 hatte ihm dessen Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme das Gut Mühlheim im Maingau geschenkt, wie Seligenstadt damals noch hieß.

Einhard beschritt einen im Mittelalter durchaus üblichen Weg, um die Wirtschaftskraft eines Ortes zu heben: Er kaufte in Rom die Gebeine zweier berühmter Heiliger - der Märtyrer Marcellinus und Petrus - und stellte sie zu Hause zur Anbetung aus. Um einen angemessenen Rahmen zu schaffen, begann er 830 mit dem Bau der Basilika, für den die Reste des benachbarten Römerkastells ein willkommener Steinbruch waren (s. den Kohorten-Stein hinter der rechts der Kanzel befindlichen Figur des hl. Batholomäus). Das kleine Fischernest am Main avancierte dank der "magnetischen" Kraft der Reliquien binnen weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Frankenreiches, was äußeren Ausdruck im baldigen Wechsel zum heutigen Stadtnamen fand. Die Märtyrergebeine ruhen übrigens im dem kostbaren Reliquienschrein (1675) unter dem Hauptaltar.

Zeitgleich mit dem Bau der Basilika schrieb Einhard hier in Seligenstadt die "Vita Caroli Magni", die Biographie Karls des Großen, aus der wir mehr als aus irgendeiner anderen Quelle Einzelheiten aus dem Leben des ersten deutschen Kaisers des Heiligen Römischen Reiches kennen. Übrigens war die Beziehung zwischen dem Kaiser und seinem späteren Biografen lange getrübt, war dieser doch mit Karl´s Tochter Imma durchgebrannt! Der Sage nach mußte das liebende Paar aus der Aachener Pfalz fliehen, und erst nach Jahren der Verbannung traf Karl seine Tocher zufällig im hiesigen Mühlheim, wie Seligenstadt da noch hieß, und versöhnte sich mit den Ausreißern.

Hieraus entstand eine zweite Deutung des Stadtnamens, die uns auf dem Marktplatz der liebevoll restaurierten Altstadt mit ihren schönen Fachwerkhäusern begegnet: Deren prächigstes ist das Einhardshaus von 1596 (Fremdenverkehrsverein): Aus der Giebelluke des Erkers schaut der Kopf des Gründers heraus, der noch etwas ängstlich den - überlieferten - Worten seines Schwiegervaters zu lauschen scheint, die in die Balken graviert sind: "Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter wiederfand". Karl´s Segen bekam das Paar dann offenbar, ruht es doch in gemeinsamem Sarkophag in der Basilika (in der außerhalb der Gottedienstzeiten nicht zugänglichen Seitenkapelle).

Das gegenüberliegende klassizistische Rathaus von 1823 steht als ein Fremdkörper inmitten der Fachwerkfronten rund um den Platz. Der Durchgang links davon führt zum Steinernen Haus von 1187 (romanische Rundbogenarkaden), das 1188 den Hoftag Kaiser Barbarossas sah.

Der Markt und die angrenzenden Teile der Altstadt stehen übrigens über der Stelle des um 100 n.Chr. errichteten Römerkastells, das eine Ausdehnung von 190 x 160 m hatte und von einem großen Lagerdorf ergänzt wurde. Die Besatzung bestand aus einer Kohorte (500 Mann) römischer Bürger, wie der Kohortenstein in der Basilika ausweist, dessen Anhängsel CIV für "Bürger" steht.

Ehemalige Benediktinerabtei

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Steinheim

Das schlichte Schloß von Steinheim mit dem stattlichen Bergfried ging aus einer früheren Burg hervor, die auf einem Basaltpfropfen gründete, daher der Ortsname.

In der Altstadt finden sich schöne Fachwerkhäuser und Adelshöfe, so der Huttenhof (Hans-Sachs-Str. 3) mit Gasthaus und Biergarten

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Rumpenheimer Schloß

Das Rumpenheimer Schloß bietet mit seiner ruinösen Fassade einen traurigen Anblick. Dabei war das ehemalige Schloß der hessischen Landgrafen bis zum 1. Weltkrieg ein Treffpunkt des europäischen Hochadels, wo sich Kaiser und Könige zur Sommerfrische ein Stelldichein gaben. Im 2. Weltkrieg dann fiel das Schloß alliierten Bomben zum Opfer und blieb bis in die 80er Jahre ein Trümmergrundstück. Dann wurden Seitenflügel und Marsstall rstauriert und zu Eigentumswohnungen ausgebaut. Schön ist der angrenzende Park, der zu schattiger Rast einlädt. An der Rückseite der kleinen Schloßkirche findet sich eine Grablege der hessischen Landgrafenfamilie.

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Gerbermühle

Hier in der Gerbermühle, die damals dem Bankier Willemer gehörte, mit dessen Gattin Goethe über die Maßen befreundet war, feierte der Dichterfürst am 28. August 1815 seinen 66. Geburtstag. Wenn Sie heutzutage mit Ihren Kids unterwegs sind, wird die das nicht sonderlich interessieren. Aber zeigen Sie ihnen doch mal die Hochwassermarken an der Eingangstür, vor allem die von 1926!

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